Follower-Kauf bei Twitter kann sich lohnen

Über den verbotenen Handel mit gefakter Popularität und dessen Auswirkungen

Twitter Sesamstraße
Wer auf den verschiedenen Kanälen der sozialen Medien regelmäßig aktiv ist, kommt früher oder später auch mit gefakten Fans, Followern und Anbietern derselben in Kontakt. US-Daten-Profi Gilad Lotan hat ein solches Angebot getestet – und eine überraschende Erfahrung gemacht.

Gilad Lotan, Chief Data Scientist bei Betaworks, interessierte vor allem, was für langfristige Auswirkungen der Kauf von gefälschten Fans für seine Popularität in den sozialen Medien hat. Für nur fünf US-Dollar kaufte er 4.000 Twitter-Follower beim Anbieter fiverr.com. Schon 24 Stunden später hatte er statt 2.600 stattliche 4.600 Anhänger beim amerikanischen Microbloggingdienst. Die Folgen: Sein Klout-Score stieg sofort extrem an. Doch auch langfristig war der Kauf erfolgreich. Zwar verabschiedeten sich nach und nach ein paar der Bots und Fakes, dafür war er aber offenbar durch seine größere Gefolgschaft interessanter für echte Nutzer. Heute folgen ihm über 13.400 Menschen.

Follower-Kauf als Datenexperiment

Eine anschauliche Erklärung zum Kaufvorgang und dessen Auswirkungen lieferte Lotan in seinem Medium-Blog. Früher völlig verpönt, bezeichnet er den Kauf von Followern und Fans heute als effektiven Bestandteil der Social Media Optimierung. Als Datenwissenschaftler sei es dann vor allem berufliche Neugier gewesen, die ihn zu diesem Experiment veranlasste. Dementsprechend genau war sein Vorgehen. Bevor er überhaupt damit begann, nach einem Anbieter für Twitter-Follower zu suchen, erstellte er eine komplette Liste seiner echten 2.600 Follower, um die spätere Auswertung so präzise wie möglich zu gestalten.

Die Recherche nach einem Anbieter für Fans und Follower gestaltete sich dann überraschend einfach. Schon bei Googles Auto Complete Funktion wurde ihm klar, dass die Nachfrage offenbar ziemlich groß ist. So wird bei der Suche nach „buy twitter“ an erster Stelle „followers“ angezeigt. Auch auf deutsch erhält man ähnliche Ergebnisse. Bei der Suche nach „twitter follower“ schlägt Google ergänzend „kaufen“ und „cheap“ vor.

Screenshot: Google-Suche nach "twitter follower"

Screenshot: Google-Suche nach „twitter follower“

Analyse und Auswertung

Bei der Analyse der neuen Follower fiel Lotan auf, dass die gefälschten Profile auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen waren. Alle hatten Profilbilder und vernünftige Namen. Beim genaueren Hinsehen wurde jedoch klar, dass es sich um Bots bzw. gefälschte Accounts handeln muss. Alle hatten offenbar zufällig ausgewählte Textpassagen in der Biographie und folgten deutlich mehr anderen Nutzern, als sie selbst Follower hatten. Viel spannender war allerdings die Möglichkeit, auszuwerten, wem die tausenden gefälschten Accounts noch folgen. Und damit herauszufinden, wer beim Social Media Ruhm ein wenig nachgeholfen hat. Als konkrete Beispiele nennt Lotan unter anderem die Accounts der „New York City Taxi App“ und „Super Protein“.

Was bleibt nach dem Kauf vom gefälschten Ruhm übrig?

Am Ende seines Experimentes war Gilad Lotan geteilter Meinung über den Kauf von gefälschten Followern. Trotz realem und langfristigem Erfolg dieser Art der Social Media Optimierung fühlte es sich für ihn immer noch falsch an und er würde es auf keinen Fall weiter empfehlen. Was sich jedoch nicht abstreiten lässt: Der Handel mit gefälschten Fans, Likes und Followern ist eine aufstrebende, nicht ganz legale Branche, die noch für viel Gesprächsstoff sorgen wird.

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