Modernes Community-Building: Ein deutscher Läufer macht es vor

Florian Neuschwander bei einem Lauf in München. (Quelle: Sebastian Stiphout / Red Bull Content Pool)

Florian Neuschwander ist einer der besten Ultra-Runner der Welt – und bespielt clever seine Community

Er hat jede Menge Tattoos, lange Haare, Schnurrbart. Hipster, denkt man. Florian Neuschwander sieht nicht aus wie der typische Läufer. Aber der 35-Jährige gewinnt 100-Kilometer-Rennen und läuft im Training auch mal 260 Kilometer in einer Woche. Seine unkonventionelle Art kommt an bei einer wachsenden Community. Wir zeigen, wie Neuschwander sich im Netz positioniert und darüber zum „Profi“ wurde.

Acht Jahre lang durchlief Florian Neuschwander ein festes Trainingsprogramm mit dem Ziel, irgendwann internationale Erfolge auf der Bahn oder beim Marathon zu feiern. Aber irgendwann hatte er einfach keine Lust mehr auf die immer gleichen Strecken. „Ich will sehen, was ich aus meinem Körper herausholen kann“, sagt er. Also läuft er 50, 80, manchmal 100 Kilometer – ohne richtigen Trainer, manchmal spontan. Er gewinnt als erster Deutscher den Transrockies Run in den Rockie Mountains (193 Kilometer und 6.000 Höhenmeter in sechs Tagen) und wird Neunter der 100-Kilometer-Weltmeisterschaft. Doch seine Fans lieben ihn nicht wegen seiner Erfolge, sondern weil er anders ist, unangepasst, ein Lebemensch. Er mache nur noch, worauf er Lust habe, erklärt Neuschwander in einem Promo-Video.

Die treue Community ist immer mit dabei

Mittlerweile hat Neuschwander über 34.000 Facebook-Fans und über 24.000 Abonnenten bei Instagram. Keine herausragenden Zahlen auf dem Niveau großer Influencer, aber in der Läufer-Community beachtlich. Und seine Fans folgen ihm aktiv. Laut dem Analyse-Tool InfluencerDB liegt sein durchschnittliches Engagement der Instagram-Abonnenten bei 5,6 Prozent – ein sehr guter Wert. Die meisten seiner Posts generieren zwischen 1.000 und 2.000 Likes. Auf Facebook sieht das sehr ähnlich aus. Diese Werte zeigen, dass Neuschwander eine aktive Community um sich herum geschart hat, die er mit speziellen Aktionen noch stärker an sich und seine Brand „Run With The Flow“ bindet.

In regelmäßigen Abständen „veranstaltet“ er spontan „Run With The Flow“-Läufe, die er teilweise am gleichen Tag bei Facebook ankündigt. Als er vor Kurzem die 30.000-Fans-Marke bei Facebook geknackt hat, veranstaltete Neuschwander eine ganze Gewinnspiel-Woche, mit Preisen, die er selbst von seinen Sponsoren besorgt hatte. In typischer Manier musste jeder Teilnehmer seine Facebook-Seite liken und in einem Kommentar erklären, warum er oder sie den Preis verdient hat. Was bei ihm aber anders ist: Den Gewinnern bietet er jeweils an, die Preise bei einem persönlichen Treffen oder einem gemeinsamen Lauf zu überreichen. Ein Preis bestand aus einer Reise mit ihm zu den Red Bull Studios in Berlin.

Sponsoren und eigenes Merchandising

Die lockere, etwas andere Art und die Bindung zu seinen Fans macht Florian Neuschwander natürlich für Sponsoren interessant. Neben den üblichen Verdächtigen wie Red Bull sind Gore (Laufsachen und Gore-Tex-Jacken), LED Lenser (Leuchten für Nachtläufe), Brooks (Laufschuhe aus den USA) und Garmin (Laufuhren) mit an Bord. Für seine Läufe ist Neuschwander also gut ausgestattet und er setzt seine Partner immer wieder über seine Social-Kanäle in Szene.

Gleichzeitig bietet Neuschwander auch Merchandise-Produkte seiner eigenen Brand „Run With The Flow“ an – auf seine eigene Art. Er betreibt den Shop auf seiner Webseite, die gleichzeitig auch als Blog dient, selbst. Das ist auch der Grund, warum der Shop derzeit eine komplette Pause einlegt. Neuschwander ist im Trainingslager und kann erst wieder Anfang September Produkte verschicken. Er verkauft in seinem Shop dann wieder Mützen, Beutel und Shirts mit dem Logo von „Run With The Flow“.

Gegenüber Online Marketing Rockstars stellt Florian Neuschwander allerdings klar, dass er auf keinen Fall als Sportunternehmer gesehen werden will und die Vermarktung seiner Person nicht im Mittelpunkt stehe. Er strebe nicht nach finanziellen Profit aus seinen Social-Media-Aktivitäten und seine Ziele seien stets ausschließlich sportlicher Natur – aber vielleicht ist gerade das der Grund, warum seine Community ihn so schätzt und bei Facebook und Instagram unterstützt.

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