Die App Blitzer.de verdient in einem Jahr mit User Generated Content 600.000 Euro

Wie die Hamburger Eifrig Media GmbH Blitzer.de von einem Online-Forum zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Apps in den App Stores gemacht hat

Blitzer.de
Eifrig Media ist eine stille Geldmaschine. Der Firmenname dürfte nur den wenigsten Leuten etwas sagen, obwohl das Hamburger Unternehmen doch eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Apps Deutschlands entwickelt hat: Blitzer.de. Und die App ist noch nicht einmal die Haupteinnahmequelle von Eifrig Media – mit der Lizensierung seiner durch eine Community zusammengetragene Blitzerdatenbank dürfte Gründer Matthias Eifrig noch deutlich mehr Geld verdienen. Dabei hatte alles einmal mit einer Keyword-Domain und einem Forum begonnen. Wir haben die Geschichte für Euch nachgezeichnet.

Alles beginnt mit einem Knöllchen: Mitte der Neunzigerjahre wird Matthias Eifrig wegen zu schnellen Fahrens geblitzt und bekommt einen Bußgeldbescheid. Nachdem der erste Ärger verfliegt, wittert der junge Unternehmer eine Geschäftsidee: „Da machte es ein zweites Mal klick, und ich wusste, da ist eine Marktlücke.“ Er sichert sich die Keyword-Domain radarfalle.de, auf der Nutzer ab 1997 stationäre Blitzer melden können. Schon drei Jahre später kommen täglich 5.000 User auf die Seite, um sich über die Standorte fester Blitzer zu informieren oder bisher unbekannte hinzuzufügen. Mit dem 1999 gestarteten Online-Forum radarforum.de schafft er einen Ort, an dem sich die Community austauschen kann und bindet so zahlreiche frustrierte Blitzer-Opfer an sich. Sogar Forentreffen wurden Anfang 2000 ausgerichtet. „Diese Projekte waren ursprünglich die Basis und sind die Grundlage von allem, was wir heute machen. Die Datenbank ist einfach immer weiter gewachsen“, sagt Sebastian Knop, Sprecher von Eifrig Media.

Von User Generated Content über eine Blitzer-Datenbank zur Monetarisierung

2004 gelingt es dem Unternehmen schließlich auch, eine funktionierende Monetarisierung für die für Autofahrer so relevanten Daten zu finden. Zuerst verkaufen sie die Software „Speed Limit“, mit der sich feste Blitzer auf Navigationssoftware von PDAs installieren lassen, für zehn Euro. Wichtigster Umsatzbringer sind bis heute über scdb.info vertriebene Lizenzen in 66 Länder weltweit. Eine Zeit lang waren hauptsächlich Hersteller von Navigationssystemen wie TomTom oder Blaupunkt die Abnehmer. Seit der Marktdurchdringung von Smartphones und mobilem Internet geht dieser Anteil entsprechend zurück und Automarken wie BMW, Mercedes oder Toyota, die eine Navigation direkt ins Cockpitdisplay einfügen, wurden zu Lizenzkäufern.

Screenshot: Blitzer.de (Desktop)

Screenshot: Blitzer.de (Desktop)


Aus der nach SEO-Gesichtspunkten ebenfalls starken Keyword-Domain blitzer.de (die URL entspricht dem Hauptkeyword), die seit 2006 das Datenangebot auf scdb.info bewarb, wird im November 2010 die heute so erfolgreiche App, mit der nun auch mobile Blitzer angezeigt werden können. Etwa vier Millionen Mal wurde die App laut Betreiber bisher weltweit heruntergeladen. Die Anwendung, die für alle gängigen Smartphone-Betriebssysteme verfügbar ist (außerhalb des deutschsprachigen Raums heißt sie CamSam), soll Autofahrer in Echtzeit über feste und auch mobile Blitzer informieren – 66760 stationäre und 674 mobile Blitzanlagen sollen demnach aktuell im System hinterlegt sein (Stand: 16. März 2015, 12 Uhr). IOS-Nutzer können sich entweder für eine kostenfreie Version entscheiden oder einmalig knapp elf Euro (0,99 € für die App, 9,99 € inApp) bezahlen, um lebenslang Updates der mobilen Blitzer zu erhalten. Die Android-Version gibt es für rund fünf Euro. „Die iOS-App ist deutlich teurer, weil der technische Aufwand im Vergleich zu Android auch viel größer ist – wir verwenden hier echtes Kartenmaterial, bei Google ist es nur eine Umkreissuche“, erklärt Sebastian Knop.

Blitzer.de gehört seit Jahren zu den meistverkauften Apps in Apples App Store – im Jahr 2014 war es am Ende der dritte Platz

In Apples App Store steht die Pro Version aktuell auf Platz drei der meistgekauften (wie zuvor 2014) und auf Platz 16 der umsatzstärksten Apps. In Googles Play Store scheint es auch nicht schlecht zu laufen: Hier werden 100.000 bis 500.000 Downloads und eine Bewertung von 4,6 angezeigt. „Heute nutzen die App täglich etwa 300.000 Menschen und rund 5.000 neue Nutzer kommen dazu“, so Knop weiter. Und das, obwohl es für die iOS-Version seit nun schon über drei Jahren keine Überarbeitung des Designs der App mehr gegeben hat. Die Daten werden seitdem aber trotzdem immer aktuell gehalten.

Screenshots: Blitzer.de (kostenlose iOS-App)

Screenshots: Blitzer.de (kostenlose iOS-App)


„Die dabei erzielten Umsätze verteilen sich zu einem Drittel auf Android und zu zwei Drittel auf Apple. Die eine tragende Säule sind die App-Verkäufe für uns aber nicht. Da spielen die Blitzer-Daten eine größere Rolle“, erklärt Knop. Genauere Zahlen möchte er nicht nennen. Laut Bundesanzeiger erzielte Eifrig Media im Jahr 2013 einen Jahresüberschuss von 600.000 Euro – bei einer krassen Eigenkapitalquote von etwas über 55 Prozent. Und das nächste Projekt läuft bereits. Seit Januar 2015 ist Atudo.de als App in den Stores, für die eigens eine GmbH gegründet wurde. Wieder ist es eine Community zum Thema Verkehr, die sich dieses Mal allerdings nicht auf Blitzer und Radarfallen, sondern auf alle Gefahrenstellen wie Glatteis, Baustellen etc. spezialisiert und mit eigenem Content (Artikel, Podcasts) aufwartet. Die Inhalte sind als News bereits in der Blitzer.de App eingebunden.

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