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Drogendealer, Knast und jetzt ein 100-Millionen-Deal – als Käufer

Habt Ihr schon mal etwas von Danny Zappin und seinem Unternehmen Zealot Networks gehört?

Danny Zappin Anfang 2015. (Screenshot: Youtube)

Danny Zappin Anfang 2015. (Screenshot: Youtube)


Vor wenigen Tagen schrieben wir an dieser Stelle über das Viralportal ViralNova, das für ansehnliche 100 Millionen Dollar den Besitzer wechselt. Dabei haben wir uns vor allem den Gründer der Facebook-Schleuder, Scott DeLong, angeschaut, der eine spannende Vita vorweisen kann. Während der Diskussion über die Story haben wir uns ein bisschen in den Gründer der Firma, die ViralNova gekauft hat, verliebt: Danny Zappin, Gründer von Zealot Networks. Seine Geschichte ist typisches Internet-Material – vom Dealen mit Drogen über einen Gefängnisaufenthalt bis zu mehreren Millionen-Dollar-Gründungen ist alles dabei. Lest hier seine Story und was er mit ViralNova vorhat.

Mit Anfang 20 zieht Danny Zappin von New York nach Los Angeles. Sein Ziel: Schauspieler werden. Unzählige Gespräche mit Agenten, Produzenten und Filmstudios bringen allerdings nicht den gewünschten Erfolg. Das Geld wird knapp, ein normaler Nebenjob kommt allem Anschein nach nicht in Frage – was macht man also, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Genau. Mit Ecstasy dealen. So oder so ähnlich müssen die Gedanken von Danny Zappin zu diesem Zeitpunkt, Mitte 2002, aussehen. Leider ist er auch mit seinem neuen Plan nicht sonderlich erfolgreich, wird von der Polizei in flagranti erwischt und direkt für zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt. Eine steile Karriereleiter also. Steil nach unten.

Vom Drogendealer im Gefängnis zum millionenschweren Gründer

Ist hier wirklich die Rede von der Person, dessen Unternehmen gerade das Viralportal Viralnova für satte 100 Millionen Dollar gekauft hat? Ganz recht. Zwischen der Entlassung aus dem Gefängnis Ende 2004 und dem heutigen Millionen-Deal liegen allerdings nicht nur über zehn Jahre, sondern auch eine weitere Multi-Millionen-, wenn nicht Milliarden-Gründung. Kurz nachdem Danny Zappin aus dem Gefängnis entlassen wird, stößt er auf die damals gerade erst gelaunchte Videoplattform Youtube – und ist begeistert. Woran er vor Monaten selber noch kläglich gescheitert war, kann jetzt jeder auf eigene Faust von zu Hause umsetzen: Videos drehen, hochladen, sich beweisen und Reaktionen vom Publikum erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt denkt er darüber nach, wie sich die Reichweite auf Youtube am besten monetarisieren lässt. Als einer der Ersten, wie sich später zeigen wird.

Mit kleineren Nebenjobs (dieses Mal legal) finanziert sich Zappin Kameras und erstellt selber Content. Unter dem Pseudonym „Danny Diamond“ entstehen einige Videos mit schrägem Humor, die ihm schnell tausende Abos bescheren und ihn in der Szene bekannt werden lassen.

2009 gründet Zappin Maker Studios, heute eines der größten Youtube-Netzwerke der Welt

Der erste richtig große Coup von Danny Zappin folgt dann 2009. Gemeinsam mit einigen anderen Youtubern und Freunden gründet er die „Maker Studios“, ein Multi-Channel-Network, welches als eines der ersten Unternehmen die Reichweiten von mehreren Youtubern unter einem Dach bündelt, bei der Produktion von Content unterstützt und natürlich die Vermarktung übernimmt. Schnell stellt sich Erfolg ein. Videos wie „Justin Bieber kisses Selena Gomez!“, in dem lediglich der Channelbetreiber Toby Turner einen Monolog hält und die beiden Stars zu keinem Zeitpunkt zu sehen sind (bis heute knapp 30 Millionen Views) gehen durch die Decke. Maker Studios beschreibt sich heute selbst als größtes MCN der Welt, 55.000 Youtuber aus 100 Ländern sollen bei über 650 Millionen Abonnenten für monatlich zehn Milliarden Views sorgen. Prominentester Schützling ist gleichzeitig auch der prominenteste und größte Youtuber überhaupt: Gamer PewDiePie.

Der Erfolg und das enorme Wachstum rufen natürlich verschiedene Interessenten auf den Plan, die investieren wollen. Im Dezember 2012 sichert sich Time Warner für 25 Millionen Dollar zehn Prozent an Maker Studios, was schon vor dem fünfjährigen Bestehen mit mehreren Hundert Millionen Dollar bewertet wird. Weitere Investoren, die für eine gesamte Investitionssumme von über 70 Millionen Dollar sorgen, sind unter anderem Elizabeth Murdoch (die Tochter von Rupert Mordoch), Greycroft Partners und Ynon Kreiz, der frühere Chef von Endemol. Der richtig große Deal folgt dann im März 2014: Disney kauft Maker Studios für 500 Millionen Dollar, zuzüglich 450 Millionen Dollar beim Erreichen bestimmter Ziele. Danny Zappin, inzwischen nicht mehr CEO des Youtube-Netzwerkes (Die Geschichte seines Abgangs erinnert an eine Soap. Erst wird er als CEO abgesetzt, dann versucht er erfolglos, die Übernahme durch Disney zu verhindern…), hält zu diesem Zeitpunkt noch rund 20 Prozent der Anteile – je nach Höhe der nachträglich von Disney zu zahlenden Summe also 100 bis 190 Millionen Dollar wert. Bis heute soll er allerdings „nur“ rund 25 Millionen Dollar erhalten haben.

„Der Plan ist, das Medienunternehmen der Zukunft zu bauen.“

Nach seinem Ausscheiden bei Maker Studios und der Übernahme durch Disney bleibt es nicht lange ruhig um Danny Zappin. Im August 2014 sammelt er, unter anderem von ehemaligen Führungskräften bei Maker Studios, rund 25 Millionen Dollar für sein nächstes Projekt ein. Mit Zealot Networks will er in Zukunft junge digitale Unternehmen und Startups vereinen. Die erste Akquisition lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Noch im Dezember 2014 sichert sich Zealot Networks für 20 Millionen Dollar die Mehrheitsanteile an AudioMicro, einem auf das Verwalten von Musikrechten bei Youtube spezialisierten Unternehmen. Nach einer weiteren kleinen Finanzspritze in Höhe von fünf Millionen Dollar durch das britische TV-Netzwerk Independent Television (ITV) beginnt eine wahre Einkaufstour. Im Januar 2015 übernimmt Zappin Premier Sports & Entertainment, im Februar folgt die Converge Media Group, im März dann die inzwischen dritte Werbeagentur Threshold Interactive, im Mai das Video- und Musikstudio Lord Danger sowie drei weitere Tech- und Musikunternehmen und im Juni kommt noch die Northside Media Group dazu. Und jetzt, Anfang Juli, also ViralNova für 100 Millionen Dollar.

Screenshot der Homepage von Zealot Networks: "And we have only just begun."

Screenshot der Homepage von Zealot Networks: „And we have only just begun.“


Danny Zappin und Zealot Networks besitzen inzwischen also verschiedenste Agenturen, Publisher, Technologie, Studios und nicht zuletzt die immense Erfahrung, wie soziale Netzwerke und vor allem Youtube funktionieren. Auf der Homepage von Zealot ist die Rede vom relevantestem Storytelling und einem Überdenken von allen Phasen des Contents (Produktion, Vertrieb und Monetarisierung). Der dabei wohl wichtigste Satz: „And we have only just begun.“ Wir können also davon ausgehen, dass man noch einiges von Danny Zappin und Zealot Networks hören wird und sind gespannt, welches Unternehmen wohl als nächstes auf der Übernahmeliste steht.

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