Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat unzählige Menschen zur Flucht gezwungen. Ein Digital-Unternehmer wollte ihnen über ein Online-Portal private Zimmer vermitteln – und wurde von der Welle der Solidarität völlig überrascht. Ein Bündnis aus Sozialorganisationen baut daher die Plattform unterkunft-ukraine.de auf. In einer Sonderfolge des OMR Podcasts erklärt Organisator Felix Oldenburg, was dahinter steckt und wie man helfen kann.

Sie kommen in Bahnen, Bussen, Autos – Hunderttausende Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, haben in den vergangenen Tagen die Ukraine verlassen. Sie sind auf der Flucht vor den Truppen, die auf Befehl von Russlands Präsident Wladimir Putin in den Krieg gezogen sind. Die Menschen brauchen Hilfe, sie brauchen eine Unterkunft. Und gleichzeitig gibt es viele in Deutschland, die helfen wollen. Felix Oldenburg sorgt gemeinsam mit Freiwilligen dafür, dass beide Seiten zueinander finden: www.unterkunft-ukraine.de heißt die Seite, über die Deutsche den Flüchtenden einen Schlafplatz anbieten können. Mehr als 200.000 Angebote wurden in den vergangenen Tagen bereits aufgenommen, nun beginnt die Vermittlung.

 

Die Idee des Unterkunft-Angebots ging schnell viral

Felix Oldenburg ist Sozialunternehmer, seit 2020 ist der Vorstand der gemeinnützigen Aktiengesellschaft gut.org, der Muttergesellschaft der größten deutschen Online-Spendenplattform betterplace.org. „Uns hat ein Hilferuf ereilt“, beschreibt er die Entstehung des Ukraine-Projekts. Der Digital-Unternehmer Lukas Kunert hatte die Idee, über die Plattform Elinor Unterkünfte an Geflüchtete zu vermitteln. Seine Idee griffen andere Köpfe aus der Gründerszene wie Verena Pausder oder Philipp Klöckner auf und teilten sie jeweils in ihrem Netzwerk. „Durch die Hilfe von ein paar netten Menschen ging das schnell viral“, sagt Felix Oldenburg in einer Sonderfolge des OMR Podcasts: „Plötzlich hatten sich 10.000 Menschen dort eingetragen.“

Der Erfolg des Projekts drohte die Macher zu überfordern – und so wandten sie sich an Gut.org. Dort versucht man nun seit Sonntag gemeinsam mit vielen Partnern, die nötigen Strukturen zu schaffen, um die große Zahl an Angeboten zu bearbeiten. Inzwischen gebe es glücklicherweise mehr Ordnung als Chaos, sagt Felix Oldenburg: „Das hat das Potenzial, die größte zivile Unterstützungsaktion der letzten Jahrzehnte zu werden.“

Das Portal soll auch langfristig nutzbar sein

Oldenburg will aus der Seite unterkunft-ukraine.de eine große digitale Plattform bauen. Das ist aus seiner Sicht auch nötig, denn der Krieg in der Ukraine wird noch über Monate hinweg Menschen zur Flucht zwingen. Gleichzeitig soll die Plattform nachhaltig nutzbar sein. Das ist eine der Lehren, die der Sozialunternehmer aus der bislang letzten großen Flüchtlingskrise gezogen hat. Auch damals habe es viele Lösungen gegeben. „Keine davon hat überlebt und ist heute nutzbar. Das müssen wir jetzt besser hinkriegen“, sagt Felix Oldenburg.

Der Unternehmer war in den vergangenen Tagen selbst am Berliner Hauptbahnhof. Dort kamen zuletzt viele Flüchtende an und wurden teilweise direkt von Menschen angesprochen, die ihnen eine Unterkunft anboten. Felix Oldenburg beeindruckt dieses Engagement: „Was ich da jetzt die letzten Tage am Hauptbahnhof erlebt habe, das ist so anfassbar. Diese Solidarität, dass jeder was tun kann, ist eigentlich der beste ausgestreckte Mittelfinger gegen Leute wie Putin. Wir können gewinnen als Gesellschaft, das ist das, was mich antreibt.“

Wer das Projekt unterstützen und den Flüchtenden helfen möchte, kann über unterkunft-ukraine.de selbst Schlafmöglichkeiten anbieten. Auch Spenden werden gebraucht, um das Team und die Strukturen zu finanzieren.