Durch die Gründung von Snapchat wurde Evan Spiegel mit Mitte 20 zum Tech-Milliardär. Weltweit nutzen inzwischen rund 350 Millionen Menschen die App. Im OMR Podcast spricht er über das Scheitern seiner ersten Gründung und Vorlesungen bei Ex-Google-CEO Eric Schmidt. Außerdem verrät er, ab wann Augmented-Reality-Brillen zum Alltag der Menschen gehören werden – und warum er weiterhin an das Potenzial von Twitter glaubt.

Der Vorteil am Besuch einer Universität wie Stanford ist, dass man Sätze wie diesen sagen kann: „Die Vorlesung hieß ,Entrepreneurship & Venture Capital‘ und wurde von Peter Wendell und Eric Schmidt geleitet“. Genau, der Eric Schmidt – langjähriger CEO von Google und einer der wohl bekanntesten Manager des Silicon Valley. Und genau der hält also, gemeinsam mit Investor Peter Wendell, vor einigen Jahren eine Vorlesung, in der auch Evan Spiegel sitzt. Der Gründer von Snapchat sagt diesen erzählt diese Anekdote heute nahezu beiläufig, obwohl diese Vorlesung sein Leben verändert hat. Denn Evan Spiegel inspirieren die Gründer-Geschichten, die er dort hört – und er beschließt, selbst zu gründen.

Evan Spiegel ist zu Besuch in Berlin. Doch am Rande der Firmenveranstaltung „Snap Forward“ trifft er sich auch mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer für eine Podcast-Aufnahme. Es ist eine Premiere, der erste längere Interview-Podcast, in dem der Gründer überhaupt zu Gast ist, wie er im Vorgespräch verrät. „Und dafür musste ich den ganzen Weg nach Deutschland fliegen“, scherzt Evan Spiegel.

Eine Software für College-Bewerbungen floppt

Evan Spiegel hat Snapchat gemeinsam mit Robert Murphy gegründet. Damals, 2011, ist Spiegel eigentlich noch College-Student. Doch der Drang, unternehmerisch etwas zu bewegen, ist stärker. Sein erster Versuch „Future Freshman“, eine Software, die jungen Menschen bei der College-Bewerbung helfen soll, scheitert. „Es war ein totaler Reinfall. Unsere beiden Geschwister bewarben sich zu der Zeit an der Uni und nicht einmal die haben es benutzt“, erzählt Evan Spiegel. Doch ein Freund, erzählt der Gründer, bringt ihn dann auf die Idee zu Snapchat: Wäre es nicht toll, wenn man Fotos verschicken könnte, die dann wieder verschwinden? In der Welt der sozialen Netzwerke, in der Facebook & Co. immer mehr Daten sammeln und speichern, ist das der radikale Gegenentwurf. Doch der schnelle Erfolg wird Snapchat zu Beginn dennoch nicht. Evan Spiegel erinnert sich gut an die Anfänge, in denen er noch Flugblätter in einem Einkaufszentrum verteilte, um auf Snapchat hinzuweisen.

Doch irgendwann steigen die Nutzenden-Zahlen, die ersten Risikokapitalgeber interessieren sich für die jungen Gründer und aus der fixen Idee zweier Studenten wird innerhalb weniger Jahre ein milliardenschwerer börsennotierter Konzern. Nur sechs Jahre nach der Gründung geht Snap, wie das Unternehmen inzwischen heißt, 2017 an die Börse. Evan Spiegel, heute 32 Jahre alt, wird zum damals jüngsten Tech-Milliardär der Welt. Versuche von Konkurrenten wie Facebook, das Netzwerk zu übernehmen, hatten die beiden vorher abgeblockt. Kein Interesse. Stattdessen setzen sie die etablierten Netzwerke mit Innovationen unter Zugzwang. Dass es heute bei Instagram das Stories-Format gibt, bei dem die Inhalte wieder verschwinden, erinnert nicht nur zufällig an das Original aus dem Hause Snap.

Snap setzt auf Augmented Reality

Heute versucht Evan Spiegel sein Unternehmen bewusst von den großen Plattformen abzugrenzen. Er sieht Snap mit seinen weltweit rund 350 Millionen Nutzer*innen mehr als Messenger-Dienst denn als soziales Netzwerk – und setzt für die Zukunft unter anderem auf das Thema Augmented Reality (AR). Schon jetzt würden mehr als 250 Millionen User*innen bei Snap entsprechende Funktionen nutzen, verrät Evan Spiegel im OMR Podcast: „Sie nutzen AR auch für Dinge wie das Anprobieren von Kleidung oder um etwas über die Welt zu lernen, indem sie beispielsweise durch das Sonnensystem in ihrem Wohnzimmer laufen.“ (Welche Rolle AR bei Snap spielt, hat auch Snap-Expertin Carolina Arguelles hier schon einmal beschrieben).

Schon vor einigen Jahren hat Snap daher auch die Datenbrillen Spectacles vorgestellt, mit denen sich Augmented Reality noch intensiver erleben lassen soll. Bislang sind diese aber nicht für Endkunden erhältlich. Man investiere seit acht Jahren in diesem Bereich, sagt Evan Spiegel, doch aus seiner Sicht dürfte es mindestens bis Ende des Jahrzehnts dauern, bis sie auch im Konsumentenbereich starke Verbreitung finden: „Auf dem Weg dorthin müssen noch viele wichtige technologische Durchbrüche erzielt werden.“

Evan Spiegel: Man sollte Twitter mehr Zeit geben

Dass Veränderungen Zeit brauchen, lässt sich aus Sicht von Evan Spiegel auch am Beispiel Twitter beobachten. Der Kurznachrichtendienst hat seit der Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk einige turbulente Monate hinter sich. Speziell Elon Musk geriet zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen. Viele Beobachter*innen sind skeptisch, was die Zukunft von Twitter angeht. Doch Evan Spiegel sagt: „Elon ist offensichtlich ein Super-Nutzer von Twitter und hat eine Menge wirklich großartiger Ideen, wie man den Dienst verbessern kann.“

In der Vergangenheit hätten viele Nutzer*innen das Gefühl gehabt, Twitter entwickele sich nicht so schnell weiter, wie es möglich wäre. Aktuell ist es aus Sicht des Snap-Gründers zu früh, um zu sagen, in welche Richtung sich Twitter entwickelt: „Wenn ein großer Umbruch wieder dieser stattfindet, urteilen Menschen immer sehr schnell“, sagt Evan Spiegel im OMR Podcast: „Wir müssen dem Team etwas Zeit geben, um darüber nachzudenken, wie sie den Dienst in Zukunft weiterentwickeln wollen.“ Er glaubt weiterhin an das Potenzial von Twitter – und verweist auf die Vielzahl führender Politiker, die darauf setzen, um ihre Wähler*innen zu erreichen.

Im OMR Podcast verrät Evan Spiegel außerdem, wie er zu einem Tiktok-Verbot steht, warum die aktuelle Phase für Tech-Unternehmen trotz vieler Herausforderungen nicht die härteste Zeit als CEO von Snap ist und wieso das US-Unternehmen kürzlich eine Firma aus Berlin übernommen hat.

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