Cherry Ventures: Die VCs hinter Flixbus, Flaschenpost und Flink

Philipp Westermeyer mit Christian Meermann und Filip Dames von Cherry Ventures (v.l.)

Wie ihr exzellentes Netzwerk und ein Selfmade-Tool Christian Meermann und Filip Dames helfen, künftige Unicorn-Startups aufzuspüren

Mit Cherry Ventures haben Christian Meermann und Filip Dames einen der erfolgreichsten deutschen VC-Fonds geschaffen. Von Flaschenpost bis Flink waren und sind die Berliner bei Firmen investiert, die zu Unicorns geworden sind – oder danach streben. Im OMR Podcast sprechen Meermann und Dames darüber, wie Cherry Ventures sich die besten Startups herauspickt, welche Rolle dabei ein selbstgebautes Tracking-Tool spielt und wie die aktuelle Geldschwemme für IT-Unternehmen die europäische und vor allem die Berliner Gründerszene auf ein neues Level hebt.

Wäre Berlin nicht Deutschland, sondern das Silicon Valley, dann wären Christian Meermann und Filip Dames längst gefeierte Business-Legenden. Bereits als Angel-Investoren haben die beiden Gründer von Cherry Ventures ziemlich oft und vor allem sehr früh auf später extrem erfolgreiche Startups gewettet: Flixbus, Auto1 (Wir kaufen Dein Auto), Flaschenpost, Amorelie – um nur einige zu nennen. „Es war eine Reihe von sehr schnellen Exits“, sagt Filip Dames. „In Summe hat das dann auch dazu geführt, dass wir immer mehr Spaß am Investieren bekommen haben“.

„Wenn wir es machen, machen wir es selber“

Wer so viel Gespür für die nächste Generation erfolgreicher Unternehmen beweist, der bleibt natürlich nicht lange unentdeckt. Mehrere Fonds hätten versucht, sie in ihre Teams zu holen, erzählt Dames im OMR Podcast. Er und Meermann aber hätten sich gesagt: „Wenn wir es machen, dann machen wir es selber und bauen unser eigenes Ding auf.“ So sei aus Cherry Ventures, dem Vehikel, das die beiden noch in ihrer Zeit als Angestellte gegründet hatten, um private Investments in junge Unternehmen zu tätigen, selbst ein Investment-Startup entstanden.

Als Angel Investoren hätten sie eher jeweils so um die 50.000 Euro in Firmen gesteckt, keine Millionenbeträge wie ein richtiger Fonds. „Wir haben damals überlegt, wie kriegen wir das Geld zusammen“, sagt Christian Meermann. „Da lag es natürlich nahe, sich erstmal im eigenen Netzwerk umzuhören.“ Sie hätten bei ihren ehemaligen Chefs bei Zalando angefragt, bei den Gründern von Flixbus, bei denen sie selbst als Angels investiert hatten, und weiteren erfolgreichen IT-Unternehmern. So hätten sie schließlich 30 Millionen Euro zusammengebracht. Die waren wiederum eine Art Eintrittskarte, um mit institutionellen Investoren und Family Offices zu sprechen. Letztlich wurde es ein 150 Millionen Euro schwerer Fonds, den Meermann und Dames – vor allem durch den Exit von Auto1 – im Anschluss mehr als verzehnfachen konnten.

Selbstgebautes Tool überwacht die Tech-Szene

Im VC-Geschäft kommt es vor allem auf das Netzwerk an, auf Tipps und Intros zu vielversprechenden Gründerteams. Auch die Investments von Cherry Ventures würden vor allem über persönliche Kontakte eingefädelt. Wobei sie sich nicht mehr nur auf Empfehlungen verlassen, erklären die Gründer im OMR Podcast. „Wir machen mittlerweile auch sehr viel Research“, sagt Filip Dames. Sie hätten ein eigenes Team, das eigene Software gebaut hat, um den Markt zu screenen.

Das Tool melde beispielsweise, wenn als interessant identifizierte Personen aus dem Tech-Ökosystem bei Linkedin verkünden, ihren bisherigen Arbeitgeber zu verlassen. Es benachrichtige das Team von Cherry Ventures ebenfalls, wenn relevante Köpfe der Szene einer neuen Firma bei Twitter folgen oder Startups auf der Software-Plattform Github Aufmerksamkeit in Coder-Kreisen erregen. „Das ist ein ziemlich signifikanter Teil der Deals, die wir mittlerweile machen“, so Dames.

Die Vernunft hinter irren Wetten

Als Fond, der sich auf Frühphasen-Investments spezialisiert hat, geht Cherry Ventures mitunter extrem offene Wetten ein. Vor allem bei Startups, denen die Berliner mit einem kleinen Millionenbetrag ermöglichen, ihre Geschäfte zur Marktreife zu bringen; deren Businessmodell aber überhaupt nur funktionieren wird, wenn andere Geldgeber dem Unternehmen später ein Vielfaches des Cherry-Investments geben, damit es zu einem relevanten Player wachsen kann.

Bestes Beispiel sind die gerade so gehypten Quick-Delivery-Startups wie Gorillas oder Flink – in letzteres haben Cherry Ventures Anfang des Jahres investiert. „Jeder sagt erstmal: Um Gottes Willen, das kann ja nicht funktionieren“, sagt Meermann zur üblichen Reaktion auf das Investment. Selbst der Notar habe nach dem Unterzeichnen der Verträge mit Flink seine Zweifel geäußert. Doch die beiden Cherry-Gründer blickten auf die Zahlen – einen 300 Milliarden Euro großen Lebensmittelmarkt in Deutschland, von dem bislang nur 1,6 Prozent online abgewickelt würden. Er sei sicher, dass dieser Anteil auf mindestens zehn Prozent wachsen werden, so Meermann.

„Neuer Mittelstand“ und verpasste Chancen

Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, warum Meermann und Dames dem angekündigten Einstieg von Delivery Hero ins Quick-Delivery-Business entspannt entgegen blicken, wieso sie Zalando als Vorreiter eines „neuen Mittelstands“ verstehen und weshalb das vermutlich lukrativste Investment von Cherry Ventures durch ein nie geliefertes Deutschland-Trikot vereitelt wurde, dann hört Euch unbedingt die aktuelle Folge des OMR Podcasts an.

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Alle Themen des OMR Podcast mit Christian Meermann und Filip Dames im Überblick:

  • Woher sich Philipp Westermeyer und die beiden Cherry-Ventures-Gründer kennen (ab 4:56)
  • Wie Dames und Meermann bei Zalando aufeinander trafen und ihr Weg zu Cherry Ventures (6:13)
  • Wann aus dem „Angel-Vehikel“ Cherry Ventures ein richtiger Fonds wurde (ab 10:15)
  • Wer Geld in ihre Fonds gesteckt hat und wie groß diese sind (ab 11:28)
  • Welche die bislang größten Exits ihrer Portfolio-Firmen gewesen sind (ab 13:47)
  • Wie Cherry Ventures seine Investments findet und welche Themen besonders relevant sind (ab 15:03)
  • Warum Meermann und Dames in Quick-Delivery-Startups wie Flink, wo sie investiert sind, großes Potenzial sehen (ab 20:17)
  • Welche Rolle Netzwerke innerhalb des Berliner Startup-Ökosystems spielen und warum sich das gerade ändert (ab 25:10)
  • Wieso die Otto Beisheim School of Management (WHU) so bedeutend für die deutsche Gründerszene geworden ist (ab 27:43)
  • Welchen Effekt die aktuelle Geldschwemme in der Tech-Szene auf lokale Investoren hat (ab 29:26)
  • Wie groß die Multiples ihrer Fonds waren und sein werden (ab 33:01)
  • Was sie von Kritik halten, der Flaschenpost-Exit sei zu früh gewesen (ab 35:15)
  • Worin die größten Unterschiede bei Startup-Finanzierungen in den USA und Europa bestehen (ab 38:09)
  • Wie Meermann und Dames die wirtschaftliche Perspektive in Deutschland einschätzen (ab 42:05)
  • Welche Rolle Krypto- und Audio-Startups im Portfolio von Cherry Ventures spielen (ab 43:47)
  • Wie das „Negativ-Portfolio“ der Berliner aussieht (ab 51:46)
  • Warum Zalando mehr als 100 Personen zu Millionären gemacht haben dürfte und wie sich die Gehälter in der Berliner Tuch-Szene entwickeln (ab 55:45)
  • Was sie zur Frage sagen, ob ihnen als Frühphasen-Investoren der spätere Erfolg eines Unternehmens egal ist (ab 58:29)
  • Warum SPACs für Cherry Ventures keine Rolle spielen (ab 1:00:46)
  • Weshalb es still um den Berliner Startup-Pionier Rocket Internet geworden ist (ab 1:01:34)
  • Welches aktuelle Portfolio-Unternehmen am besten unterwegs ist (ab 1:05:13)
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