Wie eine kleine Agentur aus Aachen plötzlich sechsstellige Umsätze mit Biker-Wear macht

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Gino Tonello, Tim Schmitz, Sascha Bitz und Simon Duyster (v.l.).

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Der Instagram-Account von Bobberbrothers hat 366.000 Abonnenten – und mit Paul Teutul einen sehr prominenten Fan

Erst war alles nur ein Hobby: Vier Freunde schrauben in ihrer Freizeit an Motorrädern und posten den Fortschritt an den sogenannten „Choppern“ und „Bobbern“ auf Instagram. 2015 zeigen sie ihren Followern dann auch selber gedruckte T-Shirts und haben dank des positiven Feedbacks direkt eine Geschäftsidee. Heute ist aus dieser spontanen Idee die Marke für Motorrad-Klamotten „Bobberbrothers“ geworden, der Instagram-Account hat dank User-Generated-Content rund 366.000 Abonnenten und Paul Teutul trägt die Brand in der neuesten Staffel der US-Reality-TV-Serie „American Chopper“. OMR hat mit dem Gründer gesprochen – und erfahren, wie die Brand dieses Jahr einen sechsstelligen Umsatz erreichen will.

„Vor ein paar Jahren habe ich regelmäßig mit drei Freunden in einer Werkstatt an Motorrädern geschraubt, vor allem an Bobbern“, sagt Sascha Bitz im Gespräch mit OMR. Bobber sind Custombikes, also individuell umgebaute Motorräder, häufig der Marke Harley Davidson, bei denen es ursprünglich darum ging, die Maschinen durch das Abmontieren von überflüssigen Teilen leichter und wendiger zu machen. Ihren Fortschritt dokumentiert die Truppe – sie nennen sich Bobberbrothers – schon damals auf dem gleichnamigen Instagram-Account. „Dann hatten wir die Idee, für uns T-Shirts zu machen“, so Bitz weiter. „Ich hatte in meiner Ausbildung Grafikdesign gelernt und einfach losgelegt.“

Obwohl die Truppe nur vier T-Shirts für sich selber haben will, bestellen sie auf Grund der Mindestbestellmenge 50 Stück. „Den Rest wollten wir eigentlich unter Freunden verteilen und kein Geld damit verdienen. Dann haben wir die Shirts einfach mal auf unserem Instagram-Account gepostet, der damals immerhin schon rund 2.000 Follower hatte.“ Als sie viel positives Feedback und sogar Nachfragen bekommen, wo man die Shirts denn kaufen könne, wächst bei Sascha Bitz das Gefühl, ein Geschäftsmodell entdeckt zu haben. „Die Shirts hatten wir nach drei Tagen alle verkauft. Ein paar Wochen später habe ich die Domain bobberbrothers.com gesichert und einen ersten Shop aufgesetzt“, sagt er.

Biker-Wear als Nebenprojekt der gerade erst gegründeten Online-Marketing-Agentur

Das Business „Bobberbrothers Apparel“, wie Bitz die Marke ab jetzt nennt, startet 2015 als kleines Experiment innerhalb seiner erst wenige Monate vorher in Aachen gegründeten Online-Marketing-Agentur Bitzdesign. „Ich bin gelernter Medientechnologe Druck und habe mir parallel zum Beispiel auf E-Learning-Plattformen schon immer viel selber beigebracht, vor allem im Bereich Social Media“, sagt Sascha Bitz gegenüber OMR. In der Folge unterstützen hin und wieder Kollegen beim Betreuen des Instagram-Accounts sowie beim Packen und Verschicken von Bestellungen.

Auf Facebooks Foto-Plattform fokussiert sich Bobberbrothers schon früh auf User Generated Content. Regelmäßig werden die Abonnenten des Accounts aufgefordert, Fotos ihrer eigenen Custombikes, egal ob Chopper, Bobber oder andere Varianten, zuzuschicken. Die besten werden dann veröffentlicht, inklusive Verlinkung zum Account des Besitzers. Anfangs geht Sascha Bitz auch noch aktiver auf die Suche nach passendem Content für den Bobberbrothers-Account. „Wir haben auf Instagram nach Werkstätten und Personen gesucht, die ganz offensichtlich Fans von Custombikes sind“, sagt Bitz. „Die haben wir einfach gefragt, ob wir Fotos mit Verlinkung nutzen dürfen. Der Großteil hat sich gefreut und direkt zugesagt.“ So generiert Bobberbrothers nicht nur passenden Content für Instagram, sondern vernetzt sich auch immer stärker in der Biker-Community.

Immer mehr Abos, wachsender Umsatz – und ein prominenter Fan

In den Folgemonaten wächst der Instagram-Account immer weiter, auch die Bestellungen ziehen an. Bobberbrothers bleibt aber immer noch ein verhältnismäßig kleines Nebenprojekt innerhalb der Agentur Bitzdesign. „Die Agentur ist weiterhin ganz klar das Hauptgeschäft und jeder Kunde hat da Priorität“, sagt Bitz. Rund zehn Prozent der Arbeitszeit werde heute in Bobberbrothers investiert, der Rest in Kunden wie beispielsweise den Fußball-Club Alemannia Aachen, für den das Team Social-Media-Marketing macht. „Bei Bobberbrothers ist inzwischen der Großteil so optimiert, dass wir im Prinzip nur Marketing und die Designs machen müssen.“ Lagerung und das komplette Fullfilment seien ausgelagert.

Als sich Sascha Bitz vor rund einem Jahr in den Instagram-Account einloggt, merkt er dann aber doch, dass er eigentlich noch mehr in Bobberbrothers investieren müsste. „Im August 2018 hatte ich nach längerer Zeit mal wieder durch die Nachrichtenanfragen bei Instagram gescrollt und plötzlich einen blauen Haken gesehen“, sagt er gegenüber OMR. „Da habe ich natürlich kurz gestutzt und mir die Nachricht und den Absender direkt genauer angeschaut.“ Sie stammt von Paul Teutul, Gründer von Orange County Choppers und Protagonist des amerikanischen Reality-TV-Formats „American Chopper“. Vielen dürfte Teutul durch eine Streitszene mit seinem Sohn bekannt sein – das zu einem weltweiten Meme wurde.

„Er meinte einfach nur, dass er unseren Account cool findet und hat ein paar Fotos von seinen Bikes geschickt“, erinnert sich Sascha Bitz. „Wir haben ein bisschen hin und her geschrieben und dann habe ich die Chance genutzt und ihn gefragt, ob ich ihm nicht ein paar unserer Klamotten schicken soll.“ Teutul beginnt zu dem Zeitpunkt gerade mit den Dreharbeiten der elften Staffel, nachdem die Serie 2012 eigentlich schon eingestellt worden war – und sagt zu, die Bobberbrothers-Klamotten auch währenddessen zu tragen. In einer Episode, die Anfang des Jahres in Deutschlands ausgestrahlt wurde, ist er in einem der von Sascha Bitz designten Shirts zu sehen.

Was hat die internationale Bobberbrothers-Promo im TV gebracht?

Auch wenn die Einschaltquoten der von Discovery produzierten Serie American Chopper in Deutschland nicht gerade riesig sein dürften, spricht sie doch immerhin genau die Zielgruppe von Bobberbrothers an – und das auch noch international. „Wir haben schon ein kleines Umsatz-Wachstum gesehen. Das war aber nicht so stark, wie wir erwartet hatten“, sagt Sascha Bitz. „Dafür haben wir sehr viele Nachrichten von Kunden und Fans bekommen, die die Folge gesehen hatten.“ Trotzdem sind die Abonnenten-Zahlen des Instagram-Accounts, aktuell folgen ihm 366.000 User, leicht rückläufig.

„Das ist unsere Schuld. Wir vernachlässigen den Account aktuell ein wenig, weil das Hauptgeschäft wie gesagt die Agentur ist“, so Sascha Bitz. Zuletzt lag der Fokus beispielsweise auf dem Launch eines eigenen E-Learning-Programms. Dennoch gebe es pro Monat immer noch bis zu 200 Bestellungen – die stärksten Länder sind Deutschland, USA, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Kanada – bei einem durchschnittlichen Warenkorb von etwa 65 Euro und hohen Margen. Bitz sagt: „Dieses Jahr werden wir Stand jetzt einen sechsstelligen Umsatz erwirtschaften. Und das Projekt außerdem weiter professionalisieren.“ Dazu gehöre unter anderem die geplante Ausgründung in ein eigenes Unternehmen und mehr Zusammenarbeit mit Resellern. „Ein paar Shops verkaufen bereits Bobberbrothers-Ware, bei szeneshop.com sind wir zum Beispiel auch schon gelistet.“

Instagram weiterhin als Fokus – und trotzdem breiter aufstellen

Um in Zukunft nicht von einer Plattform abhängig zu sein, will Bitz außerdem in weitere Marketing-Kanäle investieren. So wurde die Facebook-Seite (knapp 16.000 Fans) schon um eine Gruppe ergänzt, die bereits über 10.000 Mitglieder zählt. Mit Hilfe des Tools „Manychat“ kommuniziert Bobberbrothers außerdem über den Facebook Messenger mit Usern. Pinterest hingegen, ein Kanal, der laut des Analysetools Similarweb für über 90 Prozent des Social Traffics auf der Webseite verantwortlich ist, ist laut Bitz trotzdem kaum relevant – obwohl der Account etwa 14.500 Follower hat: „Pinterest liefert zwar viel Traffic, der konvertiert aber kaum. Instagram bleibt sowohl in Sachen Branding, als auch in Bezug auf Abverkäufe die klare Nummer eins. Vor allem über die Story-Funktion kommunizierte Angebote funktionieren gut.“

Bobberbrothers Biker Wear Homepage Sascha Bitz

Die Startseite von bobberbrothers.com.

Noch ziemlich am Anfang befindet sich Bobberbrothers bei der Suchmaschinenoptimierung der Webseite. Laut Daten des SEO-Tools Sistrix beträgt der Sichtbarkeitsindex gerade mal 0,0048, geht seit Ende 2018 aber stark nach oben. Mit 49 Keywords landet die Seite demnach aktuell unter den zehn ersten Suchergebnissen. „Das haben wir in der Tat bisher recht stiefmütterlich behandelt“, bemerkt Sascha Bitz. „Aber auch hier gilt, dass wir strategisch abwägen müssen und lieber weiterhin die Marke stärken.“ Vielleicht ist dafür ja nach der anstehenden Ausgründung Zeit – wenn nicht mehr nur die acht Mitarbeiter der Agentur Bobberbrothers nebenbei betreiben. Wie viel Zeit Sascha Bitz dann noch in die Marke investieren wird, weiß er noch nicht genau. Mit einem befreundeten Barbier hatte er 2016 Charlemagne Barber Ventures gegründet, einen Online-Shop für Styling- und Pflegeprodukte. Das Unternehmen werde 2019 höchstwahrscheinlich siebenstelligen Umsatz generieren.

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