So krass geht der Black Friday ab: Wie wir in 90 Minuten 2.500 Tickets vergeben haben

Wir zeigen Euch unsere Traffic-Statistiken

Es war eigentlich nur ein spontanes Experiment, doch von den Folgen wurden wir überrollt: Am zurückliegenden Freitag haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, uns mit einer Marketing-Aktion an den mittlerweile fast omnipräsenten „Black Friday“ anzuhängen. Den Teilnehmern winkten kostenlose Tickets für unsere OMR Expo im kommenden März. Heute ziehen wir Bilanz und zeigen Euch mit Screenshots, welchen Traffic-Ansturm das zur Folge hatte.

Ein Screenshot aus dem OMR-Firmenchat auf WhatsApp

Ein Screenshot aus dem OMR-Firmenchat auf WhatsApp

Es ist Freitag, 24. November 2016, 8:29 Uhr: der Morgen jenes Konsumrausch-Events, das unter dem Namen „Black Friday“ mittlerweile auch in Deutschland relativ weit verbreitet ist. Viele Händler und Website-Betreiber haben sich in den Wochen zuvor akribisch auf diesen Tag vorbereitet, ihre Sonderaktionen im Vorraus beworben und verbreitet sowie möglicherweise zusätzliche Server gebucht, um sicherzustellen, dass ihre Seite nicht in die Knie geht. „Sollen wir nicht auch was zu Black Friday machen?“, denkt Online-Marketing-Rockstars-Gründer Philipp Westermeyer zum selben Zeitpunkt in der WhatsApp-Gruppe des Unternehmens laut nach.

Marketing-Aktion in zwei Stunden aus dem Boden gestampft

Nachdem der Rest der Belegschaft aufgewacht ist, verfestigt sich in den kommenden Stunden der Plan, kurzfristig eine Promo-Aktion für die OMR Expo durchzuführen, die im kommenden Jahr am 2. und 3. März in der Hamburg Messe stattfindet. Zwei Stunden später steht fest: Wir vergeben 250 Tickets, die sonst eigentlich mit 25 Euro zu Buche schlagen, komplett gratis. Mit „Black Free Ticket Day“ haben wir sicherlich nicht den allergriffigsten Titel für die Aktion gewählt, aber immerhin dürften wir damit nicht abgemahnt werden. Starten soll das Ganze um 14.30 Uhr. Wir kündigen die Aktion erstmals um kurz nach 12 Uhr auf unserer Facebook-Seite an. Den entsprechenden Post bewerben wir auch mit einem kleinen Budget.

In der Zwischenzeit bangen wir: Hält unsere Seite das überhaupt aus? Immerhin ist sie schon einmal unter der Last von mehr als 1.000 Besuchern gleichzeitig, verursacht von Youtuber Simon Unge, in die Knie gegangen. Ein kurzer Belastungstest zeigt, dass wir hier mittlerweile besser aufgestellt sind.

In nicht einmal zwei Minuten sind alle Tickets weg

Kurz vor dem Start der Aktion verschicken wir einen Newsletter. Um Punkt 14.30 Uhr bricht der Traffic-Sturm los. Der Newsletter ist noch nicht bei allen Empfängern (immerhin 40.000) in der Inbox angekommen, da sind die 250 Tickets offenbar schon weg. Es hat nicht einmal zwei Minuten gedauert. Wir erhalten E-Mails, Anrufe, Facebook-Nachrichten und -Kommentare, dass das doch nicht sein könne, ob das ein schlechter Marketing-Scherz oder gar ein kompletter Fake sei.

Wir drehen den Hahn wieder auf und informieren erneut über Facebook über die Fortsetzung der Aktion. Nach zehn Minuten sind 1.000 Tickets raus. Das ganze Team versammelt sich rund um den Bildschirm, auf dem die Ticket- und Besucherzahlen zu sehen sind. Das iPhone von Geschäftsleiter Jasper Ramm bimmelt im Sekundentakt, weil zu jedem vergebenen Ticket eine Mail ankommt. OMR-Chef Westermeyer tigert unruhig zwischen den Schreibtischen umher.

Die Website hält stand

Ein Screenshot aus unserem Google-Analytics-Account vom Freitag

Ein Screenshot aus unserem Google-Analytics-Account vom Freitag

Nach intensiven Beratungen entschließen wir uns dazu, die Aktion doch bis 16 Uhr laufen zu lassen – und kommunizieren das Ganze nochmals auf Facebook. Zur Spitzenzeit sind erneut fast 1.000 Besucher gleichzeitig auf unserer Seite. Das mag für große Shops, wie Amazon, Zalando oder Otto ein Witz sein – für ein B2B-Event wie unseres ist das alles andere als alltäglich.

Am Ende der Aktion haben wir mehr als 2.500 Tickets kostenlos vergeben. Vermutlich wären es noch deutlich mehr gewesen, hätten wir die Aktion langfristiger und sorgfältiger geplant und beispielsweise die Empfänger des Newsletters früher und besser über die Aktion und ihre Verlängerung informiert.

Newsletter wichtigster Traffic-Kanal

Was lässt sich beim Blick in Google Analytics aus der Aktion lernen? Das Tool weist für den Freitag rund 9.000 Seitenaufrufe auf unserer Ticket-Seite aus. Wichtigster Traffic-Bringer war der Newsletter mit 4.000 Klicks. 2.100 Seitenaufrufe kamen durch Direct-Traffic zustande: Vermutlich von Besuchern, die unsere Homepage aufgerufen und sich durchgeklickt haben. Vermutlich hat unsere Aktion auch für einen starken Word-of-Mouth-Effekt gesorgt; die Empfänger unseres Newsletter und Facebook-Fans dürften Kollegen und Freunde über die Aktion informiert haben.

Über Facebook kamen laut Google Analytics 2.000 Seitenaufrufe direkt zustande. Unsere drei Posts zur Aktion hatten laut Facebook selbst eine Brutto-Reichweite von 77.000 Nutzern innerhalb des Netzwerks: Die drei Posts sind von jeweils 45.000, 22.000 und 10.000 Usern in ihrem Newsfeed angezeigt worden; hier dürfte es viele Dopplungen geben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein guter Teil des Direct-Traffics auf Nutzer zurückzuführen ist, die unsere Posts bei Facebook gesehen und dann die URL unserer Website in die Browser-Zeile eingegeben haben. Auf dem letzten Rang unter den Traffic-Quellen liegen die unbezahlten Google-Suchergebnisse mit 900 Aufrufen. Auch hier dürfte es Spill-over-Effekte gegeben haben.

44.000 Kontakte mit einem Facebook-Post – ein Screenshot aus unserem Facebook-Account

44.000 Kontakte mit einem Facebook-Post – ein Screenshot aus unserem Facebook-Account

Black Friday hat sich endgültig etabliert

Das Ergebnis von 2.500 vergebenen Tickets hat uns überrascht. Natürlich muss man diese Zahl etwas relativieren: Wer etwas umsonst zu vergeben hat, der wird in der Regel sehr leicht eine große Menge an Menschen anziehen können. Und natürlich sind unsere Zahlen, wie erwähnt, im Vergleich zu denen von großen Händlern irrelevant klein. Darüber hinaus ist auch nicht klar, wie hoch der Anteil unter den Teilnehmern der Aktion sein wird, die sich ein Ticket gesichert haben und dann doch nicht zur Expo kommen. Dieser Aspekt ist für uns wohl das größte Problem, da wir maximal 25.000 einzelne Personen in die Messe-Hallen lassen können.

Trotzdem ist unser Eindruck (auch von anderen Beobachtungen, die wir an diesem Freitag angestellt haben, beeinflusst): Der Black Friday hat in Deutschland mittlerweile eine enorme Sales-Kraft entwickelt und ist in diesem Jahr endgültig im Mainstream der Verbraucher angekommen.

Neunstelliger Umsatz in Deutschland an einem Tag?

Die Deal-Seite Retailmenot hatte im Vorfeld alleine für den Black Friday E-Commerce-Umsätze in Höhe von 360 Millionen Euro prognostiziert. Verlässliche Zahlen dazu sind offenbar noch nicht öffentlich verfügbar, doch möglicherweise ist dieser Betrag ja sogar übertroffen worden. Google Trends zeigt, dass nach „black friday“ in den vergangenen Tagen in Deutschland mehr als doppelt so häufig gesucht worden ist wie nach „gutschein“.

Rund um das Keyword „gutschein“ hat sich (nicht nur in Deutschland) eine ganze Industrie an Portalen entwickelt, die mit der Weitervermittlung von Kunden an die Online-Shops Millionen verdienen. Nicht wirklich erstaunlich, dass die Black Friday GmbH derzeit offensiv ersucht, sich einen Großteil des Geschäftes zu sichern, das Online unter dem „Black Friday“-Banner gemacht wird.

Die Entwicklung der Suchanfragen zu "black friday" im Deutschland – beachtet werden sollte der Anstieg ganz rechts

Die Entwicklung der Suchanfragen zu „black friday“ im Deutschland – beachtet werden sollte der Anstieg ganz rechts

About You generiert wieder Massen von App-Downloads

Die große Resonanz auf Verbraucherseite wird auch daran deutlich, dass, diversen Nachrichten bei Twitter zufolge, am Freitag die Shops von Mediamarkt, Saturn und Douglas offenbar kurzzeitig unter dem Ansturm zusammengebrochen sind – obwohl alle drei sicherlich nicht gänzlich unvorbereitet in den Tag gegangen sind. In der Schweiz sind gleich mehrere führende E-Commerce-Portale in die Knie gegangen.

Die Otto-Group-Tochter About You hat den „Black Friday“ dazu genutzt, um erneut Downloads für die eigene Shopping-App zu generieren. Eine ähnliche Maßnahme hatte das Unternehmen bereits im Rahmen einer Weihnachts-Sonderaktion im vergangenen Jahr durchgeführt. Nun erhielten alle Kunden, die über die App bestellten, auf die „Black Friday“-Sonderangebote nochmals zusätzlichen Rabatt. Die Aktion wurde von allen „Social Influencern“, die für About You u.a. auf Instagram werben (darunter beispielsweise GNTM-Teilnehmerin Julia Wulf), auf deren Social-Media-Profilen beworben. Der Schritt ließ die App auf Platz zwei im deutschen App Store schießen – „vor Amazon, Ebay, Zalando und Co“, wie Geschäftsführer Tarek Müller auf Facebook frohlockte.

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