Appinio-Gründer Jonathan Kurfess: „Unsere App macht auch ein bisschen süchtig“

Appinio-Gründer Jonathan Kurfess (r.) mit Philipp Westermeyer

Im OMR Podcast spricht Kurfess über die Revolution in der Marktforschung und wie er die Welt ein Stück besser machen will

Marktforschung – das klingt (nicht nur) im ersten Moment extrem dröge. Seit 2014 bringt Appinio aber frischen Wind in die Branche. Das Startup verspricht, in Minuten Tausende Antworten aus der eigenen App-Community zu liefern – und das repräsentativ. Im OMR Podcast erzählt Appinio-CEO Jonathan Kurfess, wie das möglich ist, warum sich Marktforschung dadurch grundlegend ändert und wieso er sein Unternehmen nicht nur zur Gewinnmaximierung richtig groß machen will.

Jonathan Kurfess ist erst 28 Jahre alt und macht sich trotzdem schon sein komplettes Berufsleben Gedanken über Marktforschung. Während des Studiums arbeitet er im Marketing eines großen Unternehmens und erkennt ein großes Problem: „Wir treffen die ganze Zeit Entscheidungen für ein Produkt, zu dessen Zielgruppe wir gar nicht gehören“, erzählt er Philipp Westermeyer im OMR Podcast. „Wir müssten eigentlich jedem Entscheider einen direkten Draht zu seiner Zielgruppe geben.“ Schon im Alter von 22 Jahren schreibt er also ein Konzept für sein heutiges Unternehmen Appinio. Die Idee: den Hang zur Meinungsäußerung auf Social Media für die Marktforschung nutzen.

Produkt in zwei Richtungen

Seit 2014 baut Kurfess mit seinem Team an der kostenlosen App. „Wir haben ein Netzwerk für Meinung gebaut, wo sich die Nutzenden vergleichen können – bin ich Durchschnitt oder besonders?“, erklärt der Appinio-Gründer. Jeden Tag würden so Millionen von Meinungen einfließen. „Wir haben ein paar Hunderttausend Nutzende.“ Für die ist die Appinio-App in erster Linie eine Art soziales Netzwerk. Viele beantworten einfach aus Spaß Fragen wie: „Was würdest Du lieber bekommen? Viel Macht oder viel Respekt?“ Dafür bekommen die Nutzenden Coins, die sie später in Gutscheine einlösen können. Beim Blick auf die Bewertungen im App Store zeigt sich aber, dass für viele der Spaß an der Beantwortung von Fragen im Mittelpunkt steht.

Appinio-App Screenshot

In der Appinio-App beantworten Nutzende unterschiedliche Fragen – und helfen damit Unternehmen bei der Marktforschung

Für Unternehmen bietet Appinio auf der anderen Seite dann sein Marktforschungs-Tool. Firmen können eine Zielgruppe auswählen, ihre Fragen einstellen und bekommen laut Kurfess in wenigen Minuten dann 1.000 Antworten. Ausgespielt wird der Fragebogen in der Appinio-App an die passenden Nutzenden. Unternehmen bezahlen individuell für jede Befragung – der Preis ist abhängig von Faktoren wie Anzahl der Teilnehmenden und Genauigkeit der Zielgruppe. „Unser Geschäftsmodell ist gar nicht so abhängig von einer riesigen Userbase. Wir müssen nur gucken, dass wir alle Zielgruppen abgedeckt haben“, erklärt Kurfess. In diesem Jahr plane er mit einem zweistelligen Millionenumsatz, was einer Vervierfachung im Vergleich zum Vorjahr entspreche.

Wachstum mit eigenen Mitteln

Trotz der derzeit funktionierenden Userbase will Appinio weiter wachsen. Die App ist in allen deutsch- und englischsprachigen Märkten verfügbar, zusätzlich in Frankreich und Spanien. „Unsere Apps wächst zu 75 Prozent organisch. Die macht auch ein bisschen süchtig“, sagt Jonathan Kurfess. Das Startup investiere zusätzlich einen drei- bis niedrig vierstelligen Betrag pro Monat in Marketing.

Und auch der Stamm an Unternehmenskunden wachse organisch – weil das Produkt überzeuge. „Wir haben den Faktor Zeit und Kosten aus der Marktforschung eliminiert“, so der Appinio-CEO. „Jeder kann jetzt professionelle Marktforschung betreiben.“ Das beziehe sich nicht nur auf kleinere Unternehmen, sondern auf einzelne Mitarbeitende. Die könnten vor oder während eines Meetings ihre Meinungen und Ansichten bei der Zielgruppe testen. Selbst Marketing-Creatives würden über Appinio getestet. „Jedes Jahr werden 30.000 Produkte gelauncht. 50 Prozent von denen gehen in die Hose. Da wird eine Trillion verbrannt“, sagt Kurfess. „Wir eliminieren das Risiko, dass sowas passiert.“

Projekt zum Mitmachen

Trotz der positiven Entwicklung will Jonathan Kurfess Appinio eher dazu nutzen, seine Mitarbeitenden glücklicher und die Welt ein bisschen besser zu machen. „Maximale Lebensqualität schaffen, finde ich viel wichtiger, als Unicorn zu werden“, sagt er. Wenn das klappe, „dann bauen wir da nicht nur ein Unicorn oder Decacorn oder Centacorn, sondern einfach eine Appinio-Legacy.“

Wie Kurfess das derzeit angeht? „Wir spenden zehn Prozent unseres Profits oder ein Prozent vom Umsatz – je nachdem was höher ist – gegen den Klimawandel.“ Dazu gründe Appinio eine Genossenschaft aller Mitarbeitenden, die darüber dann an Aufforstungsprojekten und Wäldern direkt beteiligt sind.

Warum Meinungsforschungsinstitute Appinio immer noch kritisch sehen und wieso das Team keine großen Investoren an Bord hat, hört Ihr im OMR Podcast.

Disclaimer: OMR hat 2020 in Appinio investiert und ist daher gering am Unternehmen beteiligt.

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Die Themen des Podcasts mit Appinio-CEO Jonathan Kurfess:

  • Warum hat Jonathan Kurfess eine Marktforschungs-App gestartet? (06:42)
  • Wie sieht das Appinio-Produkt heute aus? (09:50)
  • Ohne App-Nutzende keine Ergebnisse: Wo bekommt Appinio die Antworten auf die Fragen der Unternehmen her? (10:55)
  • Wie läuft das Marketing für die App? (13:32)
  • Wie funktionieren die Gamification-Elemente in der Appinio-App? (14:53)
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Appinio? (19:14)
  • Was kostet eine Umfrage bei Appinio? (20:29)
  • Was sagt die Marktforschungsbranche zu Appinio? (23:13)
  • Wie konnte Appinio ohne größere Investoren wachsen? (25:28)
  • Wie teuer war es, das Produkt zu bauen? (29:03)
  • Was ist die langfristige Vision für Appinio? (31:15)
  • Wie ist Appinio international aufgestellt? (38:26)
  • Wie sieht der Markt der Marktforschung aus? (39:05)
  • Wie sehen die Zukunftspläne von Jonathan Kurfess aus? (43:45)
  • Was wollen Firmen am häufigsten wissen? (50:06)
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