Wie Betrüger vor dem Airbnb-IPO über Google-Ads Kasse machen

Über Google-Suchen zu gehypten Börsengängen ködern fragwürdige Finanzfirmen Anleger, um ihnen gefälschte Angeboten anzudrehen

Es könnte einer der größten Börsengänge des Jahres werden. Die Unterkunfts-Plattform Airbnb will noch im Dezember in New York einen IPO wagen – zu einer angestrebten Bewertung von 30 Milliarden Dollar. Am Montagabend gingen die entsprechenden Dokumente bei der US-Börsenaufsicht ein. Viele Kleinanleger warten ungeduldig auf ihre Chance, in das amerikanische Tech-Unternehmen zu investieren. Die Aktienmärkte sind sowieso zurzeit aufgeheizt, Millionen von Kleinanlegern investieren mittlerweile in Aktien.

Dieser Hype lockt Betrüger an, die versuchen, mit ahnungslosen Anlegern Geld zu verdienen. Bei der Google-Suche zum Airbnb-IPO sind die ersten Ergebnisse vielversprechend: „Become part of the biggest IPO in recent history“, heißt es beispielsweise in einer Werbeanzeige. Interessenten können auf den Seiten Info-Material zum Börsengang anfordern. Die Seite verspricht ein „echtes Potenzial für massive Gewinne“.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Finance Forward. Auf dem Schwesterportal von OMR dreht sich alles rund um die Themen Fintechs, Kryptowährungen und Digital-Banking.



Eine Recherche zu der dazugehörigen Firma zeigt jedoch schnell, dass das Angebot nicht glaubwürdig ist. Schon in der Vergangenheit kam es vor großen Börsengängen immer wieder zu Betrügereien, das prominenteste Beispiel ist Facebook. Und auch die Masche beim Airbnb-IPO scheint nicht neu zu sein.

Begehrte Aktien bereits vor dem Börsengang

Als ersten Schritt hätte Finance Forward gerne die Macher der Website kontaktiert, um mit ihnen zu sprechen. Doch schon das ist nicht möglich: Es gibt keinerlei Kontaktdaten. Dafür führen die Spuren im Netz zu einem kleinen, unscheinbaren Haus in einer niedlichen Ortschaft mitten in England. Dort ist der Sitz gleich mehrerer Firmen, die auf zwei junge Männer aus Lettland angemeldet sind: die Exssve Marketing Ldt, die VPCM Ltd. und die Hornet Group Limited. Die Firmen stecken hinter Websiten wie investingold.me oder auch airbnb-ipo.net.

Die Finanz-Websites geben große Versprechen – und wenig Informationen. Sie beinhalten jeweils nur ein Anmeldefeld und zwei Links, zu den Cookies und Privatsphäre. Wer hier Telefonnummer, Emailadresse und Namen hinterlässt, der soll ein Investoren-Fact-Sheet geschickt bekommen. Auf einen Test von Finance Forward kam innerhalb eines Tages allerdings keine Antwort.

Dieses unscheinbare Haus ist der offizielle Sitz von Firmen hinter IPO-Scams (Bild: Google Maps)

Wie die Masche funktionieren könnte, zeigt ein Blick auf bereits bekannte IPO-Betrugsfälle. Die New Yorker Firma Knightsbridge Private Partners hatte zwischen Oktober 2018 und Januar 2019 behauptet, bereits vor den jeweiligen Börsengängen in Besitz von Aktien der gehypten Tech-Unternehmen Airbnb, Lyft, Palantir und Uber zu sein. Anleger wurden getäuscht, die Firma ergatterte auf diesem Weg 2,1 Millionen Dollar, wie Forbes berichtet.

Einem 86-jährigen Anleger wurden beispielsweise 125.000 Dollar für angeblich 2.000 Uber-Aktien zum Preis von je 62 Dollar verkauft. Er bekam dafür gefälschte Dokumente. Als die Scammer wenige Wochen später erneut anriefen, um ihm Aktien von Airbnb zu verkaufen, hatte er dafür kein Geld mehr, berichtete er den Behörden.

Scams bei Facebook

Ähnliches ereignete sich auch beim Börsengang von Facebook 2012. Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Florida wurde dafür zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. Er hatte Interessenten damals über die Frage-und-Antwort-Plattform Quora falsche Aktien verkauft.

Auch Facebook hatte schon mit falscher Werbung auf der Plattform zu kämpfen. Ausgerechnet zur eigenen Kryptowährung Libra kursierten auf Facebook und Instagram Anzeigen von falschen Anbietern, die Token anboten, wie die Washington Post berichtete. Die Kryptowährung ist noch nicht verfügbar. Facebook hatte offenbar Schwierigkeiten damit, die Scam-Anzeigen auf den eigenen Seiten zu erkennen und zu unterbinden.

Fraud-Websites kommen und verschwinden

Für Strafverfolgungsbehörden ist es ebenfalls nicht einfach, die Betrüger zu stoppen. Die Webseiten sind schnell aufgesetzt und verschwinden mitunter genauso schnell wieder. Das oberste Suchergebnis zu „Airbnb IPO“, airbnb-invest.com, ist zwar eine bezahlte Anzeige, doch die Seite dahinter ist schon nicht mehr erreichbar. 2017 steckte hinter alipaypreipo.com zum chinesischen Zahlungsdienstleister Alipay ein ähnlicher Scam.

Ganz unter dem Radar fliegen sie jedoch nicht: Über eine der aktuell betroffenen Firmen hatte die britische Finanzaufsicht FCA vor wenigen Wochen bereits eine Warnung veröffentlicht. Die Hornet Group sei nicht autorisiert, Finanzprodukte zu vertreiben, schrieb die Behörde in einem Schreiben. An die Verbraucher heißt es darin, sie sollten in Verbindung mit der Firma besonders vorsichtig sein und sich vor Betrügern schützen. Etwa, indem sie auf der FCA-Seite die Lizenzen der entsprechenden Firmen überprüfen.

Autor: John Stanley Hunter

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